von fsone
Viel ist über Call-In Sendungen bereits geschrieben worden. Öffentlicher Betrug wird ihnen ständig zur Last gelegt. Das es immer noch Menschen gibt, die dem Lockruf des Geldes erliegen oder einfach den bunten Farben, knalligen Geräuschen und dem Gesäusel der Moderatorin nicht widerstehen können, ist schwer begreifbar.
Seit einiger Zeit verspricht nun Money-Express auf Viva und Comedy Central den ultimativen Geldgewinn mitten in der Nacht. Also schön dachte ich mir und blieb trotz besseren Wissens (schließlich hatte ich schon einmal die Sendung komplett verfolgt, nur um festzustellen, wie perfide die Machenschaften der TV-Trickbetrügermafia sind. Damals wurde über die gesamte Sendezeit ein Begriff gesucht, natürlich erriet ihn keiner, das Spiel wurde tausendmal geändert, der Geldbetrag selbstverständlich auch und immer war es angeblich die letzte Chance um zu gewinnen – ziemlich unglaubwürdig nach 2 Stunden) bis 3 Uhr auf, nur um noch einmal von den unglaublichen, angeblichen Lösungen des Spiels fasziniert zu werden. Zugegeben, die Moderatorin sah auch nicht gerade unscharf aus, was wiederum in das Erfolgskonzept dieser Sendungen passt.
Es war etwa 2.15 Uhr, als ich mich dem „neuen“ Spiel auf Money Express widmete. Das Spiel selbst war einfach gestrickt – wie immer bei Call-In Sendungen. Gesucht wurden Begriffe mit …-Haus. Offensichtlich hatte schon jemand einen Begriff erraten oder der Sender hatte einen vorgegeben, denn in der Mitte der 5 gesuchten Begriffe stand schon das Wort „Kauf“. „Kaufhaus“ war demnach ein gesuchter Begriff gewesen. Das Moderatorenschnuckel erledigte ihre Arbeit sehr gut und immer mehr angebliche Anrufer wurden in Schnellraterunden ins Studio durchgestellt. Dabei kam mir zuweilen der Verdacht, dass es sich um Einspielungen von Anrufbeantwortern handelte, da beinahe keine Rückkopplungsgeräusche zu vernehmen waren oder sonstige Aussetzer von Seiten der Anrufer passierten. Schon komisch, dass die Oma in der Leitung wie aus der Pistole geschossen antwortet, während sie bei anderen Sendungen beinahe 2 Minuten für die Antwort braucht, weil sie noch so viel zu erzählen hat. Wie dem auch sei, innerhalb von 45 Minuten wurde das Studio von Money Express offensichtlich von Anrufen bombardiert. Die Moderatorin kommentierte stets fleißig mit „Leider nicht dabei“, „Ja, ja sehr gut, das hatten wir noch nicht, sehr gut, aber leider falsch“, „Denken Sie immer daran, unsere Begriffe sind genauso leicht oder schwer, wie Kaufhaus“ und dem Klassiker „Das hatten wir leider schon“. Selbst die Gewinnsumme stieg von 11.000 Euro um 500 Euro pro falscher Antwort: „Morgen sind wir mit Sicherheit alle arbeitslos, die schmeißen uns bestimmt alle raus, bei dem Geld, was wir hier verspielen.“ Ja aber sicher doch meine Liebe. Was denn sonst?
Wie gesagt, die Bedingungen erschienen – wie immer bei Call-In Sendungen – ideal für den großen Gewinn. Dennoch war kein Anrufer in der Lage dieses einfache Rätsel bis zum Ende der Sendung zu lösen und einen von 4 gesuchten …-Haus Begriffen zu erraten. Dabei waren auch Füchse, wie der Herr der „DurcHaus“ sagte und damit versuchte die Betrüger zu enttarnen, zu verzeichnen. Nun mag man geneigt sein zu vermuten, dass es unzählige …-Haus Begriffe in der Deutschen Sprache, die dem Duden zu entnehmen ist, gibt. Umso erstaunlicher war schließlich die Auflösung, die selbst mir nachts um 3 Uhr ein lautes Lachen entlockte. Die gesuchten Begriffe waren: Renaissance-Haus, Akut-Kranken-Haus, Zahn-Ärzte-Haus und Südland-Haus.
Aha! Irgendwie erinnerte mich das ganze an den Stefan Raabs Gag über das DSF Sportquiz. Offensichtlich kann man im Deutschen jedes x-beliebige Wort vor einen Bindestrich und dem Wort „Haus“ schreiben. Inwiefern so ein Rätsel dann noch ein Rätsel ist, kann jeder für sich selbst entscheiden. Das die Landesmedienanstalten, die hier in der Pflicht wären, nicht massiv gegen solche Formate vorgehen entbehrt wieder einmal jeglicher Logik.
Zum Abschluss möchte ich noch auf den Blog von Stefan Niggemeier verweisen. Dieser beschäftigt sich schon seit längerem mit den betrügerischen Machenschaften der Call-In Piraten. Ein gut gemeinter Rat: Lieber jeden Abend mehrmals 50 Cent in die Spardose werfen, als einmal der Versuchung einer solchen Sendung erliegen!
KLEINES UPDATE: Für mehr Informationen über Call-In Sendungen und deren Quizfragen empfiehlt sich ebenfalls www.tv-quiz-hilfe.de oder www.call-in-tv.de

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