Positive K – The Skills Dat Pay Da Bills

von fsone

Kennt Ihr das? Man besucht eines Tages einen guten Freund und wird dort aufs herzlichste mit einem Weißbier empfangen. Ein paar Bier und Cocktails (es waren etliche Caipirinhas) später findet man sich auf dem Sofa chillend wieder. Man unterhält sich, zieht gegenseitig Platten aus der Sammlung, legt diese auf, philosophiert über verschiedene Künstler, Tracks, Cover, … Bis plötzlich – etwas geschieht. Etwas, dass irgendwann einmal ein besonderer Moment in eurem Leben werden wird. Etwas, dass euch so unglaublich begeistert und fasziniert, dass euer Musikherz höher zu schlagen beginnt. Etwas, dass euch dazu verleitet stundenlang ein Album zu feiern und euren Kopf dazu rhythmisch auf und ab zu bewegen.

Genau so etwas geschah an diesem Tag, als plötzlich „The Skills Dat Pay Da Bills“ von Positive K (Island Records 1992) auf dem Plattenteller landete.

Kommen wir also gleich, ohne größere Ausschweifungen, zum musikalischen Inhalt dieses „All Time Favorites“:

Bereits das „Intro (Pos K Theme)“ ist ein echter Earcatcher. Schnell, aufrüttelnd und nicht zu lang, so muss ein echter Opener sein. Der nahtlose Übergang zu „Pass The Mic“ erfreut mich jedes Mal aufs Neue und zählt definitiv, nach nur 57 Sekunden, zum ersten Highlight dieser Scheibe. Auch sonst überzeugt der zweite Track. Nach kurzen „Ooh, Yeah“ Stimmübungen fackelt Pos K schließlich ein Reimfeuerwerk über den von Silver D produzierten basslinelastigen Beat ab. Die Hook bedient sich eines Eigensamples vom Track „Grand Puba, Positive and L.G.“ der auf dem Brand Nubian „One For All“ Album zu finden ist. „Pass me the mic, cause I wants to blitz“ heisst es da. Mehr muss man dazu nicht mehr sagen.

Es folgt „One 2 The Head“. Ein düsteres Drumarrangement und funky Bassline bestimmen den Beat von Jazzy J und Easy LG. Pos K stimmt den Hörer mit „Jump jump jump jump….jump up and down and yo get excited“ ein und auch sonst lässt er hier nichts anbrennen denn: „I gots the gift of tongue, the thing’s from a cobra/ If I kick it to ya baby, it’s all over/ Been around the world and my style nobody’s blazin it/ Cause I’m sweet, sweeter than a Raisinette/ But on the other hand I’m hotter than tobasco/ You rhyme first and I’ll be the last to go“. Hitverdächtig.

Mit „Shakin“ vernimmt man das nächste Highlight des Longplayers. Pos K begeistert mit abwechselnden Flows zwischen normal und doubletime. Dazu gesellt sich neben der tighten Produktion Easy LGs wieder einmal der ausgesprochene Wortwitz des „fly pimps“: „Follow the leader, ‘caus I am no one to follow/ I got theses suckers so scared, these bitchassniggers can’t even swallow“ und „I see your fly bitch, I call my fly bitch Kitten/ like G Rap said, I ain’t bullssssitennnn“.

Daraufhin schließt „How The Fuck Would You Know“ nahtlos an die solide Vorstellung von Easy LG und Pos K an. Im Grunde genommen ebenfalls ein Highlight und Fundgrube meiner persönlichen Lieblingsline des Albums: „When it comes to hangin’, I’m like a monkey/ know how to dress plus my hairstyle’s funky/ acrobatic, charismatic, asiatic, no not a crack addict/ see when I vote, I vote democratic/ and I can rock a rhyme with just static“.

In „Carhoppers“ rechnet Pos K anschließend mit materialistischen, autofixierten Frauen ab. „I call girls carhoppers“ und „You don’t have a car?/ Then you’re fucked up in the game“ Wie immer sprach- und wortgewandt berichtet uns Pos K auf einem stampfenden LG Beat eine amüsante Geschichte über eine Carhopperin und ihre männlichen Spielgefährten die Autotuner. Selbstredend, dass da eines Tages dem Mädel ein besseres Auto auffällt und sie sich dem nächsten an die Hose ähmm den Hals wirft.

Was das Gegenteil zu einer Carhopperin ist, erfährt man im nächsten Track „A Flower Grows In Brooklyn“. LG zeichnet sich wiederum für die Produktion verantwortlich und Pos K schlägt romantische Töne an. Eine Art Liebeslied a la „Brooklyn Masala“ von Masta Ace. Glaubt man den beiden Herren dann muss Brooklyn wirklich der Hort der vernunftbegabten, sexy Ladies sein…herrlich!

Letzter Track der A-Seite ist „Nightshift“, für den sich soundtechnisch Big Daddy Kane verantwortlich zeigt. Thematisch geht es in „Nightshift“ um aller Rapper Lieblingsberuf – den des Pimps. Pos K aka „The Fly Pimp“ handelt strikt nach dem Motto: „No skins, no benz“ und schickt demzufolge seine Geldquellen in die Nachtschicht: „I got you workin’ on the nightshift“.

Die B-Seite hat als Eröffnungssequenz ebenfalls ein Intro verpasst bekommen. „Back The Fuck Up“ ist jedoch kaum mehr als ein typisches Rapinterlude der Marke „passt eigentlich immer“.

Danach geht es mit „I Got A Man“ voll zur Sache. Geschickt verpackt erzählt Pos K in Mann-Frau Dialogform wie schwierig es sein kann eine Frau für sich zu gewinnen, vor allem wenn diese bereits einen Mann hat. Den Part der Frau überlässt Pos K dabei nicht etwa einem weiblichem MC, sondern hat kurzerhand seine eigene Stimme im Studio abändern lassen. Das Resultat ist genial. Der Ersthörer ist geneigt eine Frau zu vermuten. Zudem ist „I Got A Man“ die erfolgreichste Single Positive Ks und Easy LGs. Sie landete in den Billboard Hot Rap Singles 1993 auf Platz 1, in den Billboard Hot 100 auf 14 und in den Hot R&B/Hip-Hop Singles & Tracks auf 10 und war wenig später auf diversen Hip-Hop/Rap Compilations zu finden.

Das im Anschluss folgende „Ain’t No Crime“ war zwar nicht so erfolgreich, schaffte aber immerhin die Höchstplatzierung 16 in den Billboard Hot Rap Singles. Jim Nice hat hier am Beat gefeilt und Pos K füllt diesen mit angenehmen Flows.

Bei „The Shout Out“ ist der Name Programm. Nach einer Strophe Rap „Ladies shout my name cause I’m sweet like sugar water/ Some call me daddy cause I treat ‘em like my daughter“ und „Now don’t – say I’m conceited, say I’m convinced/ My momma called me nasty and I was ever since“ gibts ordentlich Shout Outs an Sugar Ray, Bambaata, Jazzy Jay, Greg Nice, Big Daddy Kane und etlich mehr.

Der nächste Track, „Friends“, handelt von falschen Freunden und deren Angewohnheiten. Rich Lord an den Reglern, Pos K souverän und themenbezogen. Ein weiteres Highlight.

„Minnie The Moochet“ produziert von Laz-E-Laz ist eine „bad hoochie-coocher/ Innocent sweet but the girl might shoot ya/ in your back, because she moves like dat“ Der einzige Track der meiner Meinung nach etwas abfällt auf dem sonst gelungenem Album.

Als vorletzten Track hat man sich für einen „Nightshift“ Remix von Silver D entschieden. Nicht die schlechteste Wahl, wobei mir persönlich das Original weitaus besser gefällt.

„It’s All Over“ rundet schließlich das Album hervorragend ab.

Zusammenfassend muss man sagen, dass Positive K mit „The Skills Dat Pay Da Bills“ einen echten (Underground-) Klassiker geschaffen hat. Von New Yorker Battlerap bis zu Storytelling ist hier alles vertreten. Pos K agiert smart, wortgewandt und mit dem Gespür für den Spaß an der richtigen Stelle. Flow und produktionstechnisch gesehen zählt dieses Album zu den Topalben seiner Zeit. Wer auf den Sound der „good old days“ steht sollte sich dieses Album, falls er es noch nicht sein Eigen nennt, unbedingt zulegen. Jedem Besitzer hingegen sei geraten das gute Teil mal wieder abzustauben und sich an einem außergewöhnlichem Hip-Hop Album zu erfreuen. Jeder Sammler sei beglückwünscht, da diese Perle in der limitierten Vinylversion mittlerweile im Schnitt für 50 EUR und mehr über den Tresen geht. Wie gut für mich, dass hier gleich zwei davon rumstehen!

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