von fsone
Der Medien-Hype um Linden Labs Second Life (SL) reißt einfach nicht ab. Tagtäglich versorgen uns unterschiedlichste Massenmedien mit den allerneusten Informationen rund um die virtuelle Zweitwelt. Das SL mehr als ein Spiel ist, wird spätestens dann klar, wenn man sich das immense Businesspotential des neuen Paralleluniversums einmal bewusst macht. Firmen kaufen sich ganze Landstriche um ihre Produkte nicht nur in im normalen Alltag, sondern auch in der virtuellen Freizeitumgebung ins richtige Licht zu rücken und selbstverständlich an die Kunden zu bringen. Product Placement par excellence!
So verkauft Adidas beispielsweise aktuelle Schuhmodelle, Apple verhökert fleißig iPods, BMW informiert über seine neu entdeckten, umweltfreundlichen Technologien und Mercedes lädt zur Testfahrt der neuen C-Klasse ein. Die Bildzeitung hat gar einen eigenen virtuellen Ableger den AvaStar ins Leben gerufen. Auch die Politik hat SL für sich entdeckt. Nachdem bereits eine Schwedische Botschaft und der US-Kongress online sind, setzt nun der französische Präsidentschaftskandidat Sarkoy im Wahlkampf neben altbewährten Mitteln auch auf den Faktor SL und buhlt heftig um die französische Jugend. Natürlich lässt sich da die Konkurrenz nicht lange bitten. Virtueller Wahlkampf – oh wie real ist diese surreale Zweitwelt! Überhaupt verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Realität zusehends. Schließlich kostet alles in SL auch Geld und wenn man das nicht durch einen virtuellen Beruf vermehrt, bleibt nur der Ausweg echtes Geld in Linden Dollar zu tauschen. Dafür ist man dann aber garantiert extrem hip unterwegs und mit dem passenden Kleingeld kann man sich auch den Wunsch vom Eigenheim in SL erfüllen. Und das ganz ohne Angst vor Überfällen. Die gibt es in SL nämlich nicht! Schade eigentlich, einen Hauch offener Kriminalität könnte jede Realitätsadaption doch immer gebrauchen, und wenn es nur darum geht nicht völlig das normale Leben aus den Augen zu verlieren.
Damit beschäftigt sich nämlich seit geraumer Zeit der wissenschaftliche Dienst des Bundestages, der das Suchtpotential von SL eindringlich untersucht und Warnungen für bestimmte Personengruppen ausgesprochen hat.
Grund genug für uns, im wissenschaftlichen Selbstversuch der Herausforderung SL zu erliegen und in einem SL Tagebuch – ähnlich dem der Spiegel Online Redaktion – über unsere Erlebnisse in SL zu berichten.
Gestatten mein Name ist Bloggwurst, Bloggwurst Barbosa
Um in SL teilnehmen zu können, muss man zuerst einen eigenen Charakter erschaffen. Da die Nachnamen des neuen SL Bürgers vom System her eingeschränkt sind, hat man nur die freie Wahl bei der Vergabe eines Vornamens. Was wäre für unseren Avatar bitte passender als Bloggwurst gewesen? Ein Glücksgriff aus der Liste der vorgegebenen Nachnamen ist sicherlich Barbosa.
Bloggwurst Barbosa (BB) – ein Alliterationsname in der Tradition der Überraschungs-Ei Figuren.
Get Started
Als Bloggwurst Barbosa zum ersten Mal das Licht des SL erblickte, da war er nichts weiter als ein x-beliebiger Standard-Avatar. Schnell wurde uns klar, so kann unser Stellvertreter nicht durch die Weiten der Neuen Welt reisen. Unser erste Amtshandlung auf „Orientation Island“ (einer ziemlich öden und langweiligen Tutorial-Insel, aufgeteilt in die Bereiche Move, Search, Communicate und Appearance) war folglich die Anpassung unseres Aussehens an unsere Wünsche. Dazu zogen wir Bloggwurst kurzerhand erst einmal alle Kleidungsstücke aus und wechselten in den Appearance Mode, um unsere Einstellungen vorzunehmen.
Keine zwei Minuten später – Bloggwurst war noch immer unbekleidet – drängte sich uns ein vermeintlich schwuler Second Lifer förmlich auf. Völlig unerwartet wurde der noch unschuldige Bloggwurst im Adamskostüm verbal zu schwulen Handlungen genötigt. Auf unsere Erklärung hin, wir seien nicht schwul, sondern würden nur unser Figur editieren und er möge uns doch bitte in Ruhe lassen, reagierte der Unbekannte – zu unserer Belustigung – weiterhin mit dummen, perversen Anmachsprüchen. Ein einfaches „Piss OFF“ und vermutlich auch die Tatsache, dass ihm Bloggwurst plötzlich in voller Montur gegenüberstand, konnte den pseudo-schwulen Angreifer schließlich nach 10 Minuten vertreiben. Was für eine spaßige Geburt!
Get Started – Klappe die Zweite!
Nicht so spaßig präsentierte sich im Anschluss die wirklich schlecht gemachte Tutoriumsinsel. Neben der mangelhaften und unzeitgemäßen Steuerung (an die man sich ja leider gewöhnen muss) warteten „Orientation Island“ und das darauf folgende „Help Island“ mit unglaublichen Erkenntnissen zum Thema wie-mache-ich-was in SL auf. Sicherlich ein ganz guter Ansatz. Die Normaluser werden sich darüber freuen. Wir aber fanden das eher öde, langwierig und bitte wo war der Knopf um diesen Blödsinn zu überspringen? Immerhin bekam Bloggwurst noch auf „Orientation Island“ ein zweites Sex-Angebot – diesmal von einer Frau – und diverse Komplimente hinsichtlich seines Aussehens. Selbstredend, dass Bloggwurst auch hier hart blieb und der netten Unbekannten kein Stelldichein bescherte. Schließlich drängte die Zeit und Bloggwurst wollte endlich in die Untiefen des SL eintauchen.
Get Started – SL gib Acht Bloggwurst ist im Haus!
Zapp….und blitzartig wird man vom langweiligen „Help Island“ mitten hinein in SL transportiert. BB war endlich dort angekommen, wo er schon von Beginn seines Abenteuers hatte sein wollen. Doch die erste Ernüchterung sollte sich schnell einstellen. Bloggwurst entschloss sich zunächst dafür, in die Luft zu gehen und sich per Erkundungsflug einen Überblick über die nähere Umgebung zu verschaffen. Anstelle von klar definierten Landschaften, bekam er aber nur verwirrende, kunterbunt aneinander gereihte Örtlichkeiten zu Gesicht. Das liegt vor allem daran, dass Landbesitzer auf ihrem Gebiet in SL tun und machen können was sie wollen und demzufolge auch Gebäude gemäß ihren Vorstellungen errichten. Die Folge ist ein Overkill an Bildinformationen, der durch den schleppenden Bildaufbau gehörig verstärkt wird. Barbosa war das alles, nach etwa einer halben Stunde, zu viel und er entschloss sich in einer chinesisch-japanischen Umgebung, die sehr an einen Garten und ein Dojo erinnert, bei einer Tasse Tee zu relaxen.
Erholt und munter gab er sich anschließend einer ersten Trainingseinheit Kung-Fu hin, die ihn auf die Idee brachte, er müsse sich mehr unter die Leute mischen, um herauszufinden, welche Abenteuer man in SL erleben könne. Er beschloss, den Ankunftspunkt seiner Reise aufzusuchen, um dort erste Kontakte mit der übrigen Bevölkerung zu knüpfen. Nach einem kurzen Flug, setzte sich Bloggwurst lässig auf das Geländer der Ankunftsplattform und wartete auf das, was da kommen möge. Zwei, vielleicht drei Frauen erregten dabei sein Interesse – rein platonisch natürlich. Allerdings waren diese nicht gerade gesprächsbereit.
Als schließlich ein koreanischer Spielefreak mit Handfeuerwaffe und Samuraischwert auftauchte, lies sich Bloggwurst den Weg zum Samurai Island erklären, in der Hoffnung auch ein so tolles Schwert dort abstauben zu können. Aber denkste, ohne Moos nix los im echten, wie im zweiten Leben. Samurai Island war eine einzige Enttäuschung, abgesehen von der Falle in die Bloggwurst tappte, als er eine Kippschaukel benutzte und sich darin verhedderte und von der Erkenntnis, dass Schwimmen in der Realität funktioniert, in SL Wasser jedoch nur eine Oberflächentextur ist, durch die man hindurch in die Tiefe fallen kann.
Nach diesem Schock versuchte Bloggwurst das einzig Richtige zu tun: Er begab sich nach Apfelland, einer deutschen Siedlung im SL um dort einen Draufzumachen. Leider fand sich außer einer Heavy Metal Disco nichts besseres – dafür bekam BB ein T-Shirt und eine Krone umsonst. Den Abend verbrachte er hinterher am Strand, wo er die Bekanntschaft von Bear Lindman machte, der ihn spontan zum Ausruhen auf seine Sitzkissen einlud.
…to be continued oder auch nicht!









5. Juli 2007 um 10:52 |
so jetzt will ich auch mitreden *gg* ich lade es mir gleich runter