von Hofnarr
Jahrhunderte lang war Mode eine Frauendomäne – also zumindest das Tragen. Die Weiblichkeit hatte Kinder und Hof zu versorgen und dabei einfach gut auszusehen, während die Männer malochend das Geld für die modischen Fummel nach Hause brachten. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Erstens weil Malochen furchtbar anstrengend sein kann, zweitens weil niemand denselben Typ ein Leben lang in denselben drei versifften Jeans sehen will. Mann kleidet sich, Mann stylt sich. Wie, bekommt man gesagt. Die ersten 13 Jahre von der Mama und etwa ab dem 20. Geburtstag von der jeweiligen Freundin, später von der Frau bzw. Lebensabschnittspartnerin. Mann ist also immer auf der sicheren Seite und kann sich stielsicher durch die heutige Werbeyuppiwelt bewegen. Schwierig wird es nur in den Jahren dazwischen. Was man hier an Verfehlungen begeht ist beachtlich, soll aber nicht das Thema sein. Ein Blick auf seine eigenen Teenagerfotos genügt, um die ganze Peinlichkeit zu Tage treten zu lassen. Sie, die Bilder, sollen deshalb weit unten in der Fotokiste friedlich vor sich hin schlummern.
Was ist aber mit jenen Männern, die keine Beratung zur Seite haben? Richtig, Werbeprospekte! Zum Glück gibt es davon jede Menge. So war zum Beispiel pünktlich zum Frühlingsbeginn ein Prospekt des Modehauses Peek&Cloppenburg in meiner Zeitung. Ich als moderner, zwar beratenwerdender, aber doch emanzipierter Mann denke mir, reinschauen kann ja nicht schaden.
Dass man auch als Mann mit Klischees rund um das Model kämpfen muss, ist klar (Sixpack, graue Schläfen oder einfach bwl-mäßig gestylt), aber was will mir Peek&Cloppenburg mit diesem Prospekt sagen? Wenn’s mit der Modelkarriere nicht klappt, kann man immer noch Footballtrainer werden? Entschuldigung, ich habe mich verlaufen, wo ist der Stadion-Ausgang? Also früher sah der Jura-Campus ganz anders aus…
Ach ja: Nur weil man im Urlaub am Strand spazieren geht, muss man sich von einer Hose noch lange nicht dermaßen demütigen lassen.










