Lightning in Texas: Mob lyncht Beifahrer

21. Juni 2007

von Hofnarr

Auge um Auge, Zahn um Zahn – das steht nicht nur in der Bibel, sondern wohl auch als Kalenderspruch bei so manch texanischer Familie an der Wand. Dabei wurden Blutrache und Lynchjustiz bis jetzt vor allem als moralische Verfehlungen der islamischen Welt zugeschrieben. Anscheinend ist das Morgenland aber inzwischen bis nach Texas vorgedrungen (Meldung n-tv).

 

Lynchmord in Texas

Menge prügelt Mann zu Tode

Eine aufgebrachte Menschenmenge hat im US-Bundesstaat Texas einen 40 Jahre alten Mann zu Tode geprügelt, nachdem dessen Bekannter zuvor einen kleinen Jungen angefahren hatte.

Der Mob habe zunächst den Fahrer selbst angegriffen, als dieser sich um das leicht verletzte Kind kümmern wollte, berichteten US-Medien. Der Mann, der als Beifahrer mit im Wagen gesessen hatte, sei zu Hilfe geeilt und so zur Zielscheibe des Zorns geworden. Laut Augenzeugen prügelten mehrere Männer auf ihn ein.

Der blutige Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge in unmittelbarer Nähe zum Wohnort der Schwester des Opfers. Unter Tränen berichtete sie einem Fernsehsender, dass sie ihren Bruder auf dem Bürgersteig gefunden habe, während er an seinem eigenen Blut erstickt sei. Der angefahrene zweijährige Junge wurde mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

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Meldungen, die behaupten, Georg W. Bush hätte die Prügler bereits angeworben, um im Irak für Ordnung zu sorgen, erwiesen sich allerdings als Gerücht.


Bushido vs. Sido – Sängerkrieg der Rapgiganten

12. Juni 2007

von Hofnarr

Zugegeben, die Überschrift ist irreführend. Von beiden als Rapgiganten zu sprechen, ist doch etwas gewagt. Sicherlich, verkaufstechnisch sind die zwei die deutschen Vorzeigerapper, flowtechnisch wirken sie allerdings wie die 2007er Reinkarnation von Kool Moe Dee und der war bereits 1987 nicht mehr ganz frisch – How Ya Like Me Now? Die Frage, ob nun Bushido oder Sido der bessere Rapper ist, scheint irrelevant. Genauso gut könnte man auch fragen, wer denn der größere Rhetoriker sei: Stefan äh schauen sie sich das mal äh an äh, meine Damen und Herren äh Raab oder äh Problembär Edmund äh Stoiber äh.

Aber natürlich wird heftig „Beef“ ausgetragen, das ist schließlich gut fürs Geschäft. Ob die zwei direkt etwas damit zu tun haben, ist eigentlich egal und nicht wirklich von Interesse. Die Fangemeinde zofft sich auf jeden Fall lustig durch die Gegend.

Da behauptet also der 12-jährige Sechstklässler, dass Bushido der viel Tollere sei, weil der ja schließlich einen Comet (oder war’s der Echo?) bekommen hat. Einen jener Musikpreise jedenfalls, mit denen sich die deutsche Musikindustrie selbst feiert, um nicht ganz in Vergessenheit zu geraten. Diese Aussage stößt natürlich beim Bruder eines Mitschülers auf Aggro-Boden, woraufhin der einen Brief an den Bushido-Fan schreibt und zu begründen versucht, warum denn Sido der Bessere sei. Neben einem Haufen präpubertärer Beschimpfungen schreibt der Bruder auch vom Bundestag – fragt mich nicht wieso, ihr dürft mich aber gerne aufklären – und davon, dass Sidos Texte extrem philosophisch und tiefgründig und alles andere sowieso bitches und so sind. Hey, und er muss es wissen, der Bruder, schließlich geht er schon in die Neunte und ist 15. Überhaupt wird „Tiefgründig“ großgeschrieben, leider nicht nur inhaltlich, sondern auch orthografisch. Doch auch in der 9. Klasse sollte man wissen, dass man Adjektive klein schreibt. Adjektiv – was’n das? Wie-Wort Altah!


Dopingskandal: Sensationelle Entdeckung

10. Juni 2007


Dumm, dümmer, Abitur?

10. Juni 2007

von Hofnarr

Vielleicht sind Deutschlands Schüler ja doch nicht ganz so schlau, wie von mir trotz Pisa immer behauptet wird. Die folgende Meldung auf n-tv könnte einen das zumindest vermuten lassen.

Falscher Hunderter

Abigeschenk von der Oma

Ein 19-Jähriger ist am Samstagnachmittag in einem Supermarkt in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) mit einem falschen Hundert-Euro-Schein erwischt worden. Die Kassiererin bemerkte den Schwindel sofort und alarmierte die Polizei.

Die Beamten stellten den Jungen zur Rede, der angab, das Geld von seiner Oma erhalten zu haben. Diese konnte den Sachverhalt am Telefon klären. Den Schein habe sie kopiert und ihrem Enkel symbolisch zum bestandenen Abitur geschickt. In den Briefumschlag steckte die Oma neben die Blüte noch folgende Notiz: „Dies ist eine Kopie, die echten hundert Euro überweise ich auf dein Konto.“

Vermutlich verwechselt der Junge bei seinen Bewerbungen auch Zeugnis mit Klopapier, was in diesem Fall allerdings kaum einen Unterschied ausmachen dürfte…


Internet – toll, oder? von Meinungen, die niemand braucht

7. Juni 2007

von Hofnarr

Herrlich, dieses Internetdingens! Ruckzuck sind Produkte bestellt, die man nicht braucht, Themen recherchiert, über die man nicht wirklich Bescheid wissen will und Wettervorhersagen für Orte getroffen, die man nie besuchen wird.

Außerdem kann jeder Trottel – so wie wir – eine Blog-Seite an den Start bringen und seinen pseudointellektuellen Kram unters Volk streuen. Das macht nicht nur jede Menge Spaß, sondern auch einen ganzen Haufen gute Laune, weil anscheinend keine Meinung so unbedeutend ist, als dass sie nicht auf Resonanz stößt. Der Bedarf an Kommunikation ist wahrlich groß! Plötzlich wird über Ironie, Zynismus und Sarkasmus und deren Zwischenstufen gefachsimpelt oder man wird als „boa schwul“ bezeichnet, weil man Goethe zitiert und sich „keine eigene Meinung bildet“ (siehe Beitrag Max Mutzke). Man kann auch kräftig auf die Medien bzw. diverse Sendeformate eindreschen und so tun, als wäre man der Schlauberger, der das System längst durchschaut hat. Natürlich hat man – so wie nahezu alle Menschen, die noch ein Fünkchen Verstand im Kopf haben und einigermaßen geradeaus denken können. Aber will man das überhaupt? Oder ist es nicht auch wunderbar, sich über die Casting-, Spacken- und Deppen-Shows aufzuregen? Und ist es nicht fantastisch, dass einen plötzlich wildfremde Menschen belehren, es interessiere niemanden, dass man schon in Taipeh war, weil der entsprechende Artikel über eine afrikanische Prostituierte gehe, was man selbst vermutlich niemals erkannt hätte…

Ich liebe das Internet – also her mit euren Kommentaren!


Von einer Prostituierten die kein Aids bekommen kann oder wie die Bildzeitung recherchiert

1. Juni 2007

von fsone

„Wie kann Deutschland Afrika helfen?“ fragt die Bild in ihrer aktuellen Ausgabe und schmückt sich mit der Galionsfigur Bob Geldof.

Einmal heisst es, Geldof dürfe sich nicht Sir nennen, da er als Bürger Irlands kein Bürger des Vereinigten Königreichs ist (hier), dann wieder schmückt sich die Bild mit Artikeln von Sir Bob und stellt ihm sogar einen Ausweis für das Springer Verlagshaus mit dem Titel Sir aus (hier, Bild Nummer 6).

Was denn nun, liebe Bildzeitung?

Tatsache ist, dass sich Herr Geldof nicht Sir nennen darf! Aber das ist der Bild ja egal, weil es quotentechnisch einfach mehr her macht.

Als ob das nicht peinlich genug wäre, schafft es die Bild anfänglich auch noch Geldorf zu schreiben. Mittlerweile haben kompetentere Mitarbeiter alle Geldorfs überarbeitet, wie Bildblog berichtet.

Aber die Bild wäre nicht die Bild, wenn sie nicht auch das noch das toppen könnte!

Eben genau heute berichtet Bild online „Frau ist immun gegen Aids und fragt „Hilft sie den Forschern im Kampf gegen das Virus?“

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Dazu findet man folgenden Kurzartikel:

„Nairobi – Jacinta Kerabu (42) arbeitet in Majengo (Kenia) als Prostituierte. In den 20 Jahren ihres Berufslebens hatte sie mit mehr als 2000 Männern ungeschützten Sex, darunter etliche mit dem HI-Virus infizierte Freier. Nun entdeckten Wissenschaftler, dass Jacinta kein Aids bekommen kann. Die Experten hoffen, bald eine Impfung gegen die Immunschwächekrankheit finden zu können.“

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So weit, so gut.

Eine Google Suche nach Frau Kerabu offenbart jedoch, dass die Bild diese Meldung von der Taipei Times geklaut hat. Das wäre ja nicht weiter schlimm, wäre der Artikel der Taipei Times nicht vom 6. August 2006!

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Dazu heisst es auf der Seite der Taipei Times:

„Kenyan prostitute Jacinta Kerabu, 42, has been a sex worker for over two decades and estimates that in the course of her career she has probably had sex more than 50,000 times -yet she has never contracted HIV, and every credible study of her case points towards her being immune to it.“

Komisch, sogar der Text ist ähnlich. Die Bild spricht allerdinngs von 2000 Männern, während der Beitrag der Taipei Times von 50.000 sexuellen Kontakten berichtet.

Liebe Bild, war Euch die Zahl 50.000 zu hoch? Oder geht ihr davon aus, dass man etwa 2000 Freier benötigt um 50.000 mal Sex zu haben?

Ebenfalls frage ich mich, wie es sein kann, dass laut Bild erst jetzt Wissenschaftler entdeckt haben sollen, dass Frau Kerabu kein Aids bekommen kann. Wie kann das sein, liebe Bild, wenn doch die Meldung bereits ein Jahr alt ist!

Frau Kerabu scheint ohnehin ein besonderer Mensch zu sein. Beide Artikel sprechen von 42 Jahren!

Wie ist das nun, liebe Bild, ist Frau Kerabu damit nicht der offizielle Beweis für die Existenz des Jungbrunnen? Immerhin altert sie nicht!

UPDATE, 2. Juni: Bildblog hat sich der Geschichte um eine angeblich HIV resistente Prostituierte aus Afrika angenommen und deckt weitere Kuriositäten in diesem Fall auf. Herzlichen Dank an Bildblog für die ausgezeichnete Recherchearbeit und den lieben Blogroll auf unsere Seite!