Franz Josef Wagner erklärt Elvis

von fsone

Am 16. August ist es soweit. Dann jährt sich der Todestag des Kings of Rock ‘n Roll zum 30sten Mal.

Offensichtlich brennt dieses Großereignis unserem Gossen-Goethe FJW bereits so sehr unter den Fingernägeln, dass er bereits in der vergangenen Nacht seine kümmerlichen Zeilen an Elvis Presley adressiert.

Gleich zu Beginn stellt FJW die rhetorische Frage, wie man den Kids von heute eigentlich das Phänomen Elvis erklären kann? Und er fährt fort: „Stellt Euch einen Sommer vor 50 Jahren vor. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei und aus dem Radio, es ist der AFN, der amerikanische Soldatensender, höre ich „My happiness“.“

Ein Sommer vor 50 Jahren? Alles klar, wir schreiben folglich das Jahr 1957. Der Zweite Weltkrieg ist in der Tat schon vorbei – um genau zu sein ganze 12 Jahre! Klein Wagner (Jahrgang 1943) befindet sich im Alter von 14 Jahren mitten in seiner hochpupertären Phase: „Mein Vater hasste Elvis, vielleicht zog ich mich damals wie Elvis an. Kragen hoch, die Haartolle mit Zuckerwasser verstärkt.“

Elvis hingegen war bereits ein Jahr zuvor (1956) mit „Heartbreak Hotel“ der musikalische Durchbruch in den USA gelungen. Seine Armeezeit in Deutschland (1958-1960) stand dem King noch bevor. Grund genug also für Wagner den „obszönen Sänger“, dessen Fotos in der Bravo (Erstausgabe 26. August 1956) reihenweise erschienen, zu frönen.

In diesen Kontext bettet sich auch Wagners Einschätzung „Elvis war das Radikalste des 20. Jahrhunderts – alle nach ihm sind Nachahmer“ perfekt ein. Sicher, der King war in den 50er Jahren etwas außerordentlich Radikales, etwas Neues Unbekanntes, etwas Revolutionäres! Doch Wagner macht vor den angeblichen Nachahmern nicht Halt. „Von John Lennon bis Robbie Williams“ sind für Wagner alle Musiker nur schlechte Kopien von Elvis.

Nun mag man sich darüber streiten, ob am Ende einer Liste die von John Lennon angeführt wird tatsächlich Robbie Williams stehen sollte. Andererseits kann man sich auch über Wagners Einschätzung der musikalischen Nachahmer heftigst in die Haare bekommen. John Lennon sagte einmal: „Ohne Elvis hätte es die Beatles nicht gegeben.“ Damit ist aber noch lange nicht gesagt, dass die Beatles oder John Lennon billige Elvis-Kopien sind. Vielmehr spricht aus Lennons Zitat seine Hochschätzung für den King of Rock ‘n Roll. Selbstverständlich war Elvis ein Idol für John Lennon (Jahrgang 1940). Wie hätte es auch anders sein können? Allerdings darf man hier nicht übersehn, dass Lennon und die Beatles selbst zu einer weltweiten Massenhysterie geführt haben, wie sie kein Nachahmer des Kings hätte auslösen können. Ob nun wirklich alle Musiker als Elvis-Nachahmer bezeichnet werden sollten? Ich glaube nicht! Man denke nur an all die anderen Musikergrößen des 20. Jahrhunderts: James Brown, Bob Dylan, Johnny Cash, … (seien hier nur stellvertretend genannt) Alle, auf die ein oder andere Weise, musikalische Genies und dennoch mit einer Hochachtung vor Elvis erfüllt. Umgekehrt würde sich Elvis, wäre er noch am Leben, voller Hochachtung über seine Kollegen äußern.

Leider ist Elvis Tod. FJW lässt ihn getreu der allgemein bekannten Variante „in seinem Badezimmer , den Kopf im Erbrochenen“ sterben. „In seinem Blut befanden sich 14 verschiedene Medikamente. Sein Körper wog über 200 Kilo.“ Vergleichen wir Wagners Aussage mit dem englischen Wikipediaeintrag zu Elvis:

„According to Guralnick: „drug use was heavily implicated in this unanticipated death of a middle-aged man with no known history of heart disease…no one ruled out the possibility of anaphylactic shock brought on by the codeine pills…to which he was known to have had a mild allergy…There was little disagreement in fact between the two principal laboratory reports and analyses filed two months later, with each stating a strong belief that the primary cause of death was polypharmacy, and the BioScience Laboratories report…indicating the detection of fourteen drugs in Elvis’ system, ten in significant quantity.“

Mittlerweile ist jedoch klar, die Todesursache war schwerer Herzinfarkt. 1994 stellte Dr Joseph Davis abschließend fest, dass Elvis langjährige Drogen- und Medikamentenabhängigkeit vermutlich zum Herzversagen geführt hatten:

„There is nothing in any of the data that supports a death from drugs. In fact, everything points to a sudden, violent heart attack.“

Lieber Herr Wagner, wenn man schon aus Wikipedia abschreibt, dann doch bitte richtig und vor allem vollständig! Das Elvis Sie mehr in Ihrem Leben geprägt hat als Mozart glaube ich Ihnen sogar aufs Wort. Kein Wunder, Elvis ist Unterhaltungsmusik – Mozart hingegen anspruchsvolle Klassik. Vielleicht sind Sie auch nur wegen Elvis bei der Bildzeitung gelandet und nicht bei einer seriösen Tageszeitung. Vielleicht sind Sie aber auch nur ein Nachahmer, eine billige Kopie – Ihr Spitzname Gossen-Goethe verweist ja durchaus auf einen hochkarätigen deutschen Dichter und Denker, dem Sie leider niemals das Wasser werden reichen können. Vielleicht sollten Sie einfach Elvis durch Goethe und Robbie Williams durch Ihren eigenen Namen ersetzen.


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